Lebensphasenorientierte Unternehmens- und Personalführung – eine Strategie für die Zukunft


Interview mit Prof. Dr. Jutta Rump, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen
 

Jutta Rump

Die Mitarbeiter eines Unternehmens sind individuelle Persönlichkeiten, die sich im Laufe ihrer beruflichen Karrieren in unterschiedlichen Berufs- und Lebensphasen befinden. Die Herausforderung heutiger Führungskräfte besteht darin, ihre unterschiedlichen Bedürfnisse zu erkennen und diese im Rahmen von generationsübergreifendem Leadership zu berücksichtigen.

Prof. Dr. Jutta Rump gehört zu den wichtigsten Professoren für Personalmanagement im deutschsprachigen Raum. Sie ist Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen (IBE) und hat die Herausforderungen lebensphasenorientierter Unternehmenspolitik im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten näher untersucht. Im Interview mit dem Fürstenberg Institut beantwortet die Wissenschaftlerin die wichtigsten Fragen zum Thema.

 

Was ist lebensphasenorientierte Führung?

Eine lebensphasenorientierte Führung erweitert den Blickwinkel auf die gesamte Lebensarbeitszeit unter Berücksichtigung der verschiedenen Lebensphasen und -situationen. Es wird eine Unternehmenskultur benötigt, die sich durch die Wertschätzung aller Mitarbeiter und Führungskräfte, eine Akzeptanz auch für außerberufliche Belange, Respekt und Fairness sowie Eigenverantwortung auszeichnet. Entscheidend ist, dass in diesem Zusammenhang klar zwischen Unternehmens- und Personalführung differenziert wird.

Zur Unternehmensführung zählt neben der Politik und Strategie die Kultur einer Organisation. Auf dieser normativen Ebene geht es um Werteorientierung. Lebensphasenorientierte Führung wird als Leitbild und Vision implementiert, um u. a. die Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen. Strategisch geht es darum, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, innovativ zu sein und zu bleiben sowie die Produktivität zu erhöhen.

Bei der lebensphasenorientierten Personalführung hingegen steht die operative Umsetzung im Vordergrund – Mitarbeitern konkret darin zu unterstützen, Berufliches und Privates hinsichtlich ihrer individuellen Lebensphasen zu berücksichtigen. 

 

Warum gewinnt lebensphasenorientierte Führung heute immer stärker an Bedeutung?

Aufgrund der verschiedenen Trends in der Arbeitswelt wird lebensphasenorientierte Personalführung immer wichtiger. Neben dem Streben nach Individualisierung agieren wir zunehmend in einer VUCA-Welt. Berufliche und private Phasen müssen heute in Balance gehalten werden, dabei jedoch aus wirtschaftlichen und technologischen Gründen in permanenter Bewegung bleiben. Dies ist zugleich Ziel und große Herausforderung.

 

Was sind die größten Herausforderungen einer lebensphasenorientierten Führung?

Die größte Herausforderung ist die individuelle Sicht. Jeder Mitarbeiter muss einzeln gesehen und mit seinen Bedürfnissen und unter Berücksichtigung der Lebensphasen abgeholt werden. Es gibt nicht mehr das „eine Konzept“ der Mitarbeiterführung, das auf jeden passt. Lebensphasenorientierte Führung ist mit Aufwand und Zeit verbunden. Dieser Aufwand muss als Investition begriffen werden, für die vielen Führungskräften die Zeit fehlt.

 

Wo ist diese Strategie in einem Unternehmen aufgehängt? Was bedeutet dieser Anspruch für die Führungskräfte?

Lebensphasenorientierte Führung ist ein Top-down-Prozess und damit Teil der Unternehmensführung. Aufgabe der Führungskräfte muss es sein, dies in ihrem Handeln zu berücksichtigen.

 

Wie kann die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter unter Berücksichtigung der Lebensphasen und der Verlängerung der Lebensarbeitszeit gefördert werden?

Ziel der lebensphasenorientierten Führung ist grundsätzlich, wie oben bereits erwähnt, in Bewegung zu bleiben, ohne dabei die Balance zwischen beruflichen und privaten Belangen zu verlieren.

Entscheidend für die Beschäftigungsfähigkeit und damit die Lebensarbeitszeit sind die eigene Kompetenz und Qualifikation, Gesundheit und das Wohlbefinden sowie Motivation und Identifikation. Aufgabe einer guten Führungskraft ist es, dazu beizutragen, eben diese drei Aspekte zu fördern, wobei lebensphasenorientierte Führung besonderen Einfluss auf Gesundheit und Motivation/Identifikation nimmt.

 

Wie lassen sich Lebens- und Berufsphasen miteinander vereinbaren?

Zunächst gilt es sowohl die berufliche als auch die die private Lebenssituation eindeutig im Mitarbeitergespräch zu identifizieren. Im Dialog mit der Führungskraft sollten Lösungen gefunden werden, diesen beiden Phasen unter Berücksichtigung der Möglichkeiten des Unternehmens hinsichtlich Produktivität, Leistung und Wettbewerbsfähigkeit gerecht zu werden.

 

Wir danken Ihnen herzlich für das Interview!

 

Das Interview führte Berit Sbirinda-Wenk

Marketing und Unternehmenskommunikation, Fürstenberg Institut

 


 

Checkliste für Führungskräfte

 

  • Beachten Sie die unterschiedlichen Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter
    • Schärfen Sie Ihren Blick für die Belange des Einzelnen
  • Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter zur Eigeninitiative
    • Bieten Sie Ihren Mitarbeitern „Hilfe zur Selbsthilfe“ an, in dem Sie sie in ihrem Selbstmanagement bestärken
  • Praktizieren Sie eine Politik der „offenen Türen“ und „offenen Ohren“
    • Signalisieren Sie, dass private Belange akzeptiert werden und zeigen Sie sich gesprächsbereit bzw. verweisen Sie ggf. an die kostenfreie und anonyme EAP-Beratung des Fürstenberg Instituts
  • Stehen Sie zu Ihrer Vorbildfunktion
    • Wenn Sie selbst offen Ihre persönlichen Belange thematisieren und ihnen gerecht werden, macht dies auch den Mitarbeitern Mut, sich zu bekennen
  • Berücksichtigen Sie private- bzw. familiäre Belange bei der Aufgabenverteilung
    • Berücksichtigen Sie bei der Planung und Ausgestaltung von Berufsphasen, wenn möglich, die aktuelle Lebensphase der Beschäftigten
  • Seien Sie flexibel im Denken
    • Suchen Sie gemeinsam mit dem Mitarbeiter nach Lösungen, um dem Spannungsfeld zwischen Mitarbeiterbedürfnissen und Ihren Vorgaben und Zielen zu begegnen
  • Achten Sie stets auf Verbindlichkeit
    • Stehen Sie zu gegebenen Zusagen und informieren Sie Ihre Mitarbeiter rechtzeitig, wenn sich Rahmenbedingungen ändern und ggf. nach neuen Lösungen gesucht werden muss
  • Tauschen Sie sich mit anderen Führungskräften aus
    • Häufig lässt sich von den Erfahrungen anderer Führungskräfte, u. a. auch im Rahmen der Führungskräfteaustauschtreffen des Fürstenberg Instituts profitieren
  • Informieren Sie sich über die Möglichkeiten flexibler Arbeitszeiten und Arbeitsorte im Unternehmen
    • Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben geht häufig mit der Flexibilisierung der Arbeit (Zeit, Ort, Ablauf) einher. Der WLS-Service des Fürstenberg Instituts bietet in diesem Bereich Unterstützung
  • Lassen Sie los von absoluter Kontrolle und Vertrauen Sie
    • Legen Sie den Schwerpunkt weniger auf das „Wann“ und „Wo“ der Arbeitserledigung, sondern vielmehr auf das Ergebnis

Quelle: IBE Institut für Beschäftigung und Employability

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