Basiswissen für Führungskräfte

Basiswissen über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Orientierung & Tipps für Arbeitgeber und Mitarbeiter

Die weltweite #MeToo-Welle an Klagen zu sexueller Belästigung hat nicht nur ein einstiges Tabuthema in die Schlagzeilen gebracht, sondern auch eine Vielzahl an Fragen aufgeworfen. Die allgemeine Verunsicherung spiegelt sich auch in der Arbeitswelt wider.

Was genau fällt eigentlich unter sexuelle Belästigung? Welche Pflichten bestehen unternehmensseitig und was bedeutet das konkret für den Arbeitsalltag? In unseren ersten Fürstenberg News wollen wir einen kurzen Überblick darüber geben, was Sie über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wissen sollten.
 

Anders als im privaten Lebensbereich ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz immer verboten

Einer Frau offensichtlich auf die Brüste zu starren, gilt am Arbeitsplatz als eindeutig gesetzeswidrig – im Alltag ist dieses Verhalten jedoch nicht verboten. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet jede Form der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz, denn dort kann man der belästigenden Person nicht aus dem Weg gehen.

 

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist weder örtlich noch zeitlich eingeschränkt

Das AGG fordert für alle Beschäftigten ein sicheres Arbeitsumfeld, wobei sich der Schutz über das Büro, Unternehmensgebäude und die Arbeitszeit hinaus auch auf Dienstreisen, Arbeitswege, Firmenfeiern, Betriebsausflüge, Pausen sowie SMS, E-Mails und Anrufe bezieht.

 

Die Abgrenzung zu einem Flirt ist klar definiert: Sexuelle Belästigung ist durch Unerwünschtheit und Würdeverletzung bestimmt

Flirts entstehen in beiderseitigem Einverständnis. Bei sexueller Belästigung handelt es sich hingegen um eine unerwünschte Verhaltensweise. Eine sexuelle Belästigung geht immer mit einer Würdeverletzung einher, wobei es nicht darum geht, ob die Würdeverletzung beabsichtigt wurde, sondern um die Auswirkung auf die belästigte Person. Im Arbeitskontext hat sexuelle Belästigung in erster Linie nichts mit Kontaktanbahnung oder Sexualität zu tun, sondern steht meist im Zusammenhang mit Machtausübung, Hierarchien oder wird als Mittel zur Konkurrenzausschaltung, bzw. um die Autorität einer vorgesetzten Person zu untergraben, eingesetzt.

Ausschlaggebend für die Beurteilung, ob es sich bei einem beobachteten Verhalten um eine sexuelle Belästigung handelt, ist also, wie das Verhalten bei der betreffenden Person ankommt. Da es dabei um das Überschreiten individueller Grenzempfindungen geht, ist es für potenzielle Opfer – aber ebenso auch als Feedback für Belästiger – umso wichtiger, die persönlichen Grenzen klar aufzuzeigen.

Falls Sie sich jetzt fragen, ob es unangemessen ist, einer Kollegin oder einem Kollegen ein Kompliment zu machen: Das ist natürlich erlaubt. Es ist allerdings ein Unterschied, ob man sagt „Das ist ein tolles Kleid“ oder „Du siehst scharf aus in diesem Kleid“.

 

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wird oft unterschätzt und verharmlost

Sexuelle Belästigung betrifft mehrheitlich Frauen, aber auch Männer sowie insbesondere Trans* und intergeschlechtliche Personen sind davon betroffen. Untersuchungen zeigen, dass 60 bis 70 Prozent der Frauen mindestens einmal in ihrer Karriere sexuell belästigt wurden. In der Vergangenheit haben nur sehr wenige dieser Frauen ihre Stimme erhoben – sei es aus Angst, Scham oder schlichtweg weil sie nicht ernst genommen wurden.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz absorbiert viel Energie, verursacht erheblichen Stress, beeinträchtigt die Zusammenarbeit und vermindert die Produktivität. Die Auswirkungen können gravierend sein, sowohl für die davon betroffenen Mitarbeiter als auch für das Unternehmen. Sie reichen von Demotivation, hohen krankheitsbedingten Ausfallzeiten, Kündigungen bis hin zu massivem Imageverlust für das Unternehmen.

 

Sexuelle Belästigung kann verbal, non-verbal und physisch erfolgen

Fragt man Beschäftigte nach ihrem Verständnis von sexueller Belästigung, fällt auf: Viele Formen sexueller Belästigung werden nicht als solche verstanden. Oftmals wird am Beispiel zweideutiger Bemerkungen oder sexuell anzüglicher Witze rasch deutlich, dass es sich – je nach individuellem Empfinden – gewissermaßen auch um eine Gratwanderung handelt. 

Zur Kategorie der verbalen Belästigung zählen beispielsweise auch diese Verhaltensweisen:

  • Unangemessene Einladungen zu einer Verabredung
  • Aufdringliche und beleidigende Kommentare über Kleidung, Aussehen oder Privatleben
  • Aufforderungen zu intimen Handlungen

Eine sexuelle Belästigung kann ebenso telefonisch oder auf dem digitalen Weg erfolgen – das heißt, die genannten Punkte beziehen sich auch auf E-Mails, SMS und Kommunikation in sozialen Netzwerken.

Weitere non-verbale Beispiele für sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz sind:

  • Anzügliche Blicke
  • Unerwünschtes Hinterherpfeifen
  • Aufhängen oder Verbreiten von pornografischen Materialien

Körperliche Belästigung beginnt bei jeder unerwünschten Berührung – in minder schweren Fällen wird es vor allem dann anstößig, wenn das Verhalten nach einem klaren STOPP-Signal nicht eingestellt wird:

  • Tätscheln, Streicheln, Kneifen
  • Wiederholte körperliche Annäherung
  • Umarmungen, Küsse

 

Sie sind auf der Suche nach Unterstützung oder weiteren Informationen zum Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz? Das Fürstenberg Institut ist an Ihrer Seite wenn es um Aufklärung, Information, Workshops und vieles mehr geht: 



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