Kinder und Corona

Kinder & Corona: Was tun, wenn die Seele leidet?

Vieles hat sich mit der Corona-Pandemie verändert: Das eigene Zuhause ist plötzlich nicht nur Büro, sondern auch Schule, Kantine, Spielplatz und nicht selten Schlichtungsstelle für neu auftretende Konflikte. Und was ist mit Raum für die eigene Ruhe und Entspannung?

Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf hat erneut Zahlen zur Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen während der Coronakrise erhoben. Fast jedes dritte Kind leidet demnach unter psychischen Auffälligkeiten. Auch in den Beratungen des Fürstenberg Instituts berichten in den vergangenen Wochen immer mehr Mütter und Väter von der weiter zunehmenden Doppelbelastung durch Job und Kinderbetreuung, Zugegeben: Es ist nicht einfach. Wie Sie dennoch auch mit dieser Situation umgehen und den Alltag mit Ihren Kindern wieder mehr genießen können, lesen Sie hier.

Vieles haben wir zurzeit einfach nicht in der Hand. Wie wir auf die Krise und 
Ihre Herausforderungen reagieren, allerdings schon. Es braucht eigentlich 
nur ein wenig Zutrauen in uns selber – und vor allem in unsere Kinder. 

Wenn Kinder auf die Krise reagieren, sind Eltern häufig irritiert und machen sich Sorgen. Dabei ist wichtig zu wissen: ein breites Spektrum an kindlichen Reaktionen ist völlig normal – von einer Nullbockhaltung über den Rückfall in kleinkindhaftes Verhalten bis hin zu Phasen der Verzweiflung, weil das Spielen mit der / dem besten Freund*in pandemiebedingt mal wieder ausfallen musste. Manche Kinder zeigen auch erstmals aggressives Verhalten zu Hause. Und noch eins: eine psychische Auffälligkeit ist keine psychische Störung. 

Dass Eltern wachsam sind, ist in der Corona-Krise ebenso wichtig wie sonst auch. Sorgen oder gar Panik brauchen Eltern nicht sofort zu haben, wenn das Kind auf die allgemeine Stress-Situation reagiert. Die Erwachsenen reagieren ja auch.

Aus den zahlreichen Beratungen des Fürstenberg Instituts zu Fragen der Erziehung und Unterstützung von Kindern in der Coronakrise wird deutlich, dass die allermeisten Eltern schon viele tolle Ideen entwickelt, viel Gutes ausprobiert haben und einfach sehr viel „richtig“ machen. Sie sind ihren Kindern eine gute Stütze. Sie schaffen Vertrauen und eine solide Beziehungsbasis, z. B. wenn sie ihre Kinder einbinden und ihnen verständlich machen, warum der Kindergeburtstag ohne oder nur mit wenig Gästen stattfinden muss oder der Kurzurlaub bei Oma und Opa entfällt. 

„Die Kommunikation auf Augenhöhe ist auch bei Kindern der Schlüssel zum Erfolg. Kinder haben sehr sensible Antennen, wenn die Eltern belastende Themen und ihre eigenen Sorgen herunterspielen – wie z. B. beim Tod eines Angehörigen oder eben in der Corona-Krise. Sie spüren sofort, wenn ihnen etwas vorgemacht wird. Und das verunsichert“, weiß Fürstenberg-Beraterin Mareike Fell. Deswegen rät die Expertin in ein echtes Gespräch mit den Kindern zu gehen. „Sie werden sehen, dass Ihr Kind sehr gut mit Ihren eigenen Fragezeichen angesichts der aktuellen Situation umgehen kann. Wichtig ist nur die Botschaft: Ich sehe Dich und weiß, dass diese Zeit gerade nervt – mich auch, mein Kind! Und trotzdem: gemeinsam schaffen wir das.“ Diese Haltung vermittelt dem Kind Sicherheit und befreit die Eltern von dem Gefühl, ihren Kindern eine heile Welt vorgaukeln zu müssen. Zudem trainiert genau das die Resilienz des Kindes – indem die Eltern ihm zutrauen, Krisen zu meistern. „Ein glückliches Leben ist nicht an die Abwesenheit von Krisen geknüpft. Sondern an den gesunden Umgang mit ihnen“, so Fell.
 

Krisen gehören zum Erwachsenwerden

Resilienz nennt man die Widerstandskraft in Krisen. Sie ist nicht etwas, das man tun oder sein kann: Resilienz ist das Ergebnis von dem, was wir tun und wie wir denken. Und das Schöne daran: Sie ist lernbar. Aber dafür braucht es tatsächlich Krisen. Und das lernt man am besten schon in der Kindheit – mit Eltern, die einem in diesem nicht einfachen Prozess zur Seite stehen Die Botschaft ist: Wir gehen zusammen durchs Leben, auch dann, wenn‘s mal nicht einfach ist. 
Denn seien wir ehrlich: Krisen gehören zum Erwachsenwerden – von den ersten schlechten Noten bis hin zum Liebeskummer. Falsche Hoffnungen machen, bringt nichts. Und selbst in der aktuellen Pandemie-Ausnahmesituation hilft es, den Blick auf etwas Gutes zu richten: wie die Erfahrung des familiären Zusammenhalts.

Doch nicht nur Resilienz hilft Ihrem Kind. Auch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit entlastet in der aktuellen Situation und trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Was Sie konkret tun können? Binden Sie Ihre Kinder mit konkreten Aufgaben, also eigenen Verantwortlichkeiten, in den Alltag ein und lassen Sie ihm/ihr bei allen öffentlichen Beschränkungen wenigstens in anderen Bereichen die Wahl. Das können auch ganz kleine Dinge sein, je nach Alter des Kindes. Vielleicht darf der Sohn beim Einkauf künftig immer den Aufstrich für die Familie aussuchen. Oder die Tochter entscheidet einmal pro Woche über den Familienfilm auf Netflix. Auch das Decken des Abendbrottischs – ganz nach Art und Weise des Kindes – ist eine schöne Übung. Es geht also um kleine Freiheiten, die gleichzeitig den Eltern Entlastung bringen. Das Kind fühlt sich dabei gebraucht – und eben selbstwirksam. Und das ist eines der stärksten Tools, um Krisen zu bewältigen.

Was besonders Eltern Entlastung bringt: Seien Sie in der aktuellen Krise ‚großzügiger‘ als sonst und lassen Ihren Erziehungsanspruch pausieren. Dann gibt es das Abendbrot eben mal vor dem Fernseher oder es geht später ins Bett. „Haben Sie keine Angst – Sie können jeder Zeit wieder zurückkehren zu alten Strukturen. Ist nur die Frage, ob Sie das dann noch wollen“, sagt Mareike Fell. 

Noch ein ganz einfacher Tipp, um den Alltag mit Kindern wieder mehr genießen zu können: Bauen Sie in Ihren Tag immer Zeiten für Tanzen, Raufen, Balgen und für Kuscheln ein. Durch die Nähe wird Oxitocin ausgeschüttet und Stresshormon Cortisol abgebaut. Das hilft Kindern – und Eltern. 

An dieser Stelle sei noch mal erwähnt, dass Eltern sich bei all dem nicht selber aus den Augen verlieren dürfen. Es ist ganz wichtig, dass Mütter und Väter ihre eigenen Bedürfnisse nach Me-Time und nach konzentrierten Arbeitszeiten nicht dauerhaft hintenanstellen, um mental stabil zu bleiben. Denn ein Team funktioniert nur als Ganzes. Das gilt auch für Familien.


Mareike Fell

Mareike Fell

Beraterin im Fürstenberg Institut



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