Ängste

Umgang mit Ängsten am Arbeitsplatz

Was Führungskräfte über Ängste wissen sollten und wie sie besorgte Mitarbeitende in schwierigen Zeiten bestmöglich unterstützen können

Immer mehr Menschen in Deutschland fühlen sich ängstlich und stark verunsichert: Der nahe Krieg in der Ukraine, die Corona-Pandemie, die Klimakrise und private Herausforderungen belasten zusehends und es wird für Mitarbeitende in Unternehmen immer schwieriger, auch am Arbeitsplatz innere Gelassenheit zu finden und mit Kraft und Motivation die gewohnte Leistung zu bringen. Schlaf- und Konzentrationsprobleme nehmen zu und Ängste lähmen die Produktivität und Freude am Job.  

Susanne Tiedemann, Arbeits- und Organisationspsychologin & Geschäfts-bereichsleitung Arbeits- und Gesundheitsschutz im Fürstenberg Institut, erklärt, wie man als Führungskraft Rahmenbedingungen schafft, die für mentales Wohlbefinden sorgen und damit das Arbeiten wieder leicht und effektiv machen.

Wie entstehen Ängste?      

Angst an sich ist erstmal ein sehr nützliches und oft lebensrettendes Gefühl. Wenn wir Angst haben, fokussieren wir uns und lassen uns nicht von außen ablenken oder beeinflussen. Der Körper wird besser durchblutet, das Immunsystem und die Verdauung werden zum Schutz kurzzeitig runtergefahren und wir haben eine geringere Schmerzempfindlichkeit. Das ist ein ganz intuitiver Vorgang. In der Psychologie sprechen wir vom Angstkreislauf: Zunächst gibt es einen Auslöser, wir nehmen ihn wahr, machen uns Gedanken, bewerten die Situation und zeigen schlussendlich Symptome, indem wir handeln. Das geht alles ganz schnell. Wichtig ist zu wissen, dass der Grad der Angst dadurch bestimmt wird, wie wir eine Situation bewerten und dass diese Bewertung immer ganz individuell ist. Zudem muss zwischen Angst, die viele z.B. aufgrund der Corona-Pandemie empfinden, und einer Angststörung oder auch Panikattacken unterschieden werden. Letztere sind behandlungsbedürftig und gehören in die Hände von Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen.

Welche Symptome können bei Ängsten auftreten?

Häufige Symptome sind Herzrasen, eine flache Atmung, starke innere Unruhe, Nervosität, Schweißausbrüche und hoher Blutdruck. Oft einhergehend mit kurzzeitigem Stimmverlust und der klassischen Panik im Blick. Außerdem können Konzentrationsstörungen auftreten, da Betroffene kontinuierlich mit den eigenen Ängsten – und der Angst vor der Angst – beschäftigt sind.  

Wie zeigen sich Ängste bei Betroffenen am Arbeitsplatz?

Mitarbeiter*innen mit starken Ängsten ziehen sich oft merklich zurück, zeigen weniger Mimik und verhalten sich reserviert. Sie bringen sich weniger ein als sonst, wirken unsicher oder schüchtern und suchen Ausflüchte, um bestimmte Aufgaben nicht machen zu müssen. Es ist wichtig, zu wissen, dass Menschen unter Angst und Dauerstress nicht kreativ und strategisch denken können. Das sollten Führungskräfte immer im Hinterkopf behalten. Körper und Gehirn laufen dann einfach in einem absoluten Notprogramm und Betroffene können nichts für ihr Verhalten.

Wie spreche ich Mitarbeitende an, die mit Ängsten zu tun haben?

Mitarbeiter*innen spricht man in sensiblen Situationen am besten aus der Ich-Perspektive an. Das kann z.B. so aussehen: „Mir ist aufgefallen, dass Sie sich in letzter Zeit sehr zurück gezogen haben, geht es Ihnen gut?“, „Ich habe das Gefühl, dass Sie nicht so fröhlich sind, wie sonst. Kann ich irgendetwas tun?“ oder „Ich glaube, dass Sie etwas bedrückt. Wollen wir morgen Vormittag mal ganz unverbindlich sprechen?“ Zeigen Sie aufrichtiges Interesse und bleiben Sie am Ball. Es ist immer gut und oft augenöffnend, Mitarbeiter*innen zu spiegeln, was Ihnen als Führungskraft aufgefallen ist und gleichzeitig vertrauensvolle Hilfe anzubieten. Ihr Team wird das zu schätzen wissen.

Ängste

Was brauchen verängstigte Mitarbeitende, damit sie wieder Selbstvertrauen und Sicherheit finden?

Betroffenen hilft zuallererst Akzeptanz. Akzeptanz durch die Führungskraft, dass ihre Ängste wirklich ernst genommen werden. Denn Angst ist sehr subjektiv und lässt sich nicht mal eben wegdiskutieren. Führungskräfte sollten von Verurteilungen absehen und sich auf die Situation des/der Mitarbeiter*in einstellen und nicht darüber hinweggehen. Überlegen Sie gemeinsam mit dem/der Mitarbeitenden, was diese/r selber tun kann (z.B. Unterstützung über die Personalabteilung anfragen oder externe, fachliche Hilfe hinzuziehen) und wie Sie zudem am Arbeitsplatz unterstützen können. Man sollte z.B. prüfen, wo Timings angepasst werden müssen und Zeitdruck reduziert werden kann. Darüber hinaus helfen klare Vorgaben, Strukturen und gewohnte Rituale. Wenn Arbeitgeber*innen und Führungskräfte Verlässlichkeit und Sicherheit im Arbeitsumfeld signalisieren, entspannt das Mitarbeitende zusätzlich. Wichtig bei all dem ist immer, dass die/der Mitarbeitende selber aktiv werden muss. Das Unternehmen hat die Aufgabe, gesunde Rahmenbedingungen zu schaffen und wohlwollend zu unterstützen. 

Was sind No-Gos im Umgang mit Mitarbeitenden, die Ängste haben und verunsichert sind?

Man sollte Plattitüden (“Kopf hoch“), Beschwichtigungen („das ist doch alles halb so wild, das wird schon“) und Druck („reißen Sie sich zusammen, mit der Einstellung haben Sie bald das ganze Team vergrault“) vermeiden. Angst ist ein Urgefühl, das man nicht auf Knopfdruck abschalten kann. Auch wenn Sie als Führungskraft die Thematik anders einschätzen und sich womöglich nicht in die Lage der Person hineinversetzen können, versuchen Sie, die Sicht des/der Mitarbeitenden zu akzeptieren.

Wie gehe ich mit Ängsten im Team um?

Handelt es sich um Ängste, die alle Mitarbeitenden beschäftigen, wie z.B. aufgrund des Ukraine-Kriegs, schaffen Sie aktiv Platz und Zeit dafür. Das kann u.a. in einem wöchentlichen Meeting sein, in welchem alle Mitarbeitenden kurz erzählen, was sie gerade bewegt und beschäftigt. Gleichzeitig kann man dabei konstruktive Ideen sammeln, wie man mit der Situation umgeht und gemeinsam ins Handeln kommt. Denn aus der Passivität heraus zu kommen und Sinnvolles und Gutes zu tun, wie z.B. gemeinsames Spenden-Sammeln für Flüchtlinge bezüglich des Ukraine-Kriegs, aktiviert das Belohnungszentrum und stärkt die Selbstwirksamkeit. Als Führungskraft lässt sich so ein Prozess gut anstoßen. Kurz gesagt: Zuerst die Ängste des Teams ernst nehmen und akzeptieren und dann gemeinsam aktiv werden und Lösungen finden.

Ab wann brauchen Mitarbeitende Hilfe von Expert*innen?

Wenn Mitarbeitende über mehrere Wochen durch Ängste belastet sind und nicht in ihre reguläre Arbeitsweise zurückfinden, können Führungskräfte empfehlen, Angebote der Personalabteilung in Anspruch zu nehmen. Und zwar besser früh und vorbeugend, als zu spät. Denn so verhindern Sie langatmige Ausfälle im Team. Fachliche, externe Hilfe in Form von Beratungen und Coachings sind z.B. ein erster Weg, um Mitarbeitende bestmöglich zu unterstützen.

 


Ängste

Susanne Tiedemann

Arbeits- und Organisationspsychologin & Geschäftsbereichsleitung Arbeits- und Gesundheitsschutz im Fürstenberg Institut



In­ter­­na­tio­nal

Search

Login

Exclusive section for our customers

As an exclusive service for our customers, we offer you a special selection of further information and material for download. Please log in using your user name and current password.

This content is password protected.

Problems finding the log-in data? Click here.

Contact

ContactLayer Image

Cookie-Settings

We use cookies to give you the best experience possible with our website and to improve our communication with you. We consider your selection and will only use the data you have approved us to gather.

These cookies help making a website usable by enabling basic functions like page navigation and access to secure areas of the website. The website cannot function properly without these cookies.

These cookies help website owners to understand how visitors interact with websites by collecting and reporting information anonymously. With this information we can constantly improve the experience we offer on our website.

These cookies are used to track visitors across websites. The intention is to display ads that are relevant and engaging for the individual user and thereby more valuable for publishers and third party advertisers.