Wie Liebe gelingt

Wie Liebe gelingt Beziehung und Partnerschaft in herausfordernden Zeiten

 

In meinem Freundeskreis gibt es ein Paar, dass unter eher ungewöhnlichen Bedingungen eine Beziehung führt. Der Mann ist Kapitän und sticht mit seinem großen Containerschiff alle 3-4 Monate aus dem Hamburger Hafen für einige Monate in See.  
Die beiden haben zwei kleine Kinder und sagen von sich, dass sie meist eine glückliche Beziehung führen. 

Ich habe sie gefragt, wie ihre Beziehung funktioniert, wenn der eine mit Kind und Kegel in Hamburg ist und der andere auf der anderen Seite der Welt. Die beiden telefonieren nicht, sondern sie schreiben sich alle 4 Wochen einen Brief. Sie brauchen nicht viele Worte, schreiben was sie sagen wollen und können sich auf diese Art und Weise nah sein. Dies ist ihre Art mit der Situation umzugehen und diese zu meistern. 

Viele Menschen fragen sich, wie erfüllende Beziehungen gelingen. Oder was es braucht, um in Beziehungen dauerhaft glücklich sein zu können. 

Es gibt unzählige Ratgeber für Paarbeziehungen. Ich möchte Ihnen die integrale Sichtweise anhand des Quadrantenmodells von Ken Wilber vorstellen. In diesem geht es darum, sich selbst und seine Beziehungen aus vier Perspektiven zu beobachten.  

Die Quadranten haben Einfluss aufeinander, bedingen sich wechselseitig und können manchmal nicht zu einhundert Prozent voneinander getrennt werden. 

Das Modell wird häufig in der Organisationsberatung verwendet, ich wende es hier jedoch auf Paarbeziehungen an. 
 

Quadrantenmodell von Ken Wilber

Ken Wilbur Modell

Innen/ Individuell  
(oder: Wie der Blick auf sich selbst aussehen kann)

In der ersten Perspektive wird das Denken, Fühlen, die eigene Haltung und die eigenen Werte beobachtet.  

Dazu möchte ich Ihnen ein Beispiel vorstellen. 
Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens die Vorstellung einer idealen Partnerin, bzw. eines idealen Partners. Wir haben die Idee, dass das Gegenüber verantwortlich ist, uns glücklich zu machen. In der Beziehung selbst erleben wir dann eine Enttäuschung, wenn die andere Person sich doch nicht so verhält, wie wir es uns eigentlich vorgestellt hatten. Wir beziehen die Enttäuschung auf unsere/n Partner*in.  

Eigentlich sind wir allerdings enttäuscht, dass unsere eigenen Vorstellungen, wie unser Gegenüber zu sein hat, nicht zutreffen. Dies macht uns in Beziehungen traurig oder unzufrieden. 

Mit dieser Einstellung gibt man die Selbstverantwortung für sein eigenes Glück an das Gegenüber ab. 

Es gibt also einige Punkte, die die Basis sind, damit eine Beziehung funktioniert. Dies ist die Selbstbewusstheit. Das bedeutet, dass man sich bewusst über die eigenen Denkmuster und Annahmen, Glaubenssätze und Werte wird. 

Außen/ Individuell  
(oder: Was jede*r Einzelne tun kann)

Die zweite Perspektive bezieht sich auf das sichtbare Verhalten eines Menschen, auf sein Wissen, seine Kompetenzen oder Körperzustände.  

Auch dies lässt sich anhand eines Beispiels auf Paarbeziehungen beziehen: 
Kennen Sie das? Sie haben Angst vor dem Zahnarzt und gehen deshalb nicht mehr zur jährlichen Kontrolle und auch nicht zur Zahnreinigung. Der Termin, den Sie dann nach einigen Jahren wahrnehmen kann unter Umständen viel schmerzhafter sein als die kleinen regelmäßigen Termine. So ist es auch mit Aspekten in unserer Beziehung, mit denen wir nicht einverstanden oder unzufrieden sind. Es braucht Mut und Selbstüberwindung, dem Gegenüber zu sagen „Ich liebe Dich und ich möchte mit Dir zusammen sein, und dennoch bin ich nicht einverstanden, dass wir uns anschreien, keinen gemeinsamen Aktivitäten nachgehen, keine Sexualität mehr stattfindet, etc." 
Dadurch, dass wir sagen was ist, schaffen wir wieder eine Nähe zu unserem Gegenüber.

Innen/ Systemisch  
(oder: Wie ist die Beziehungskultur des Paares?)

Die dritte Ebene bezieht sich auf das Innere einer Partnerschaft. Dies können Beziehungskultur, Wir-Gefühl oder das Gefühl von Miteinander sein. 

In meinen Beratungen habe ich viele Paare erlebt, die sich gemeinsam entwickeln und sich ein gemeinsames Leben aufgebaut haben. Dieses wird meist spontan entschieden und situationsabhängig, weil es einfach „dran“ ist. Meine Erfahrungen dazu sind, dass diese Entscheidungen in das alltägliche Leben übernommen und dann nicht mehr hinterfragt oder verändert werden.  

Das kann sich zum Beispiel auf die Verteilung von Aufgaben und Zuständigkeiten innerhalb der Beziehung oder auf die Durchführung gemeinsamer Feste oder Rituale beziehen. Es kann sich auch auf Regeln, die innerhalb der Familie gelten, beziehen. Oder auch auf das tägliche Miteinander zwischen dem Paar.  

Jedes Paar sollte sich in regelmäßigen Abständen zusammensetzen, um zu klären, ob gemeinsame Entscheidungen noch weiter ausgeführt werden können wie bisher. Falls es Irritationen oder Unzufriedenheiten gibt, können diese verändert werden ohne dass gleich die ganze Beziehung in Frage gestellt werden muss. Durch das bewusste Einflussnehmen und Steuern der scheinbar alltäglich routinierten Abläufe kann eine Partnerschaft zum einen wachsen und zum anderen erleben die Beteiligten eine große Zufriedenheit aufgrund von Handlungsfähigkeit. 

Grundlage dieser Gespräche können darüber hinaus Fragen wie „Was können wir gemeinsam gut? Was sind unsere Stärken? Welche Rituale wollen wir weiterführen, welche wollen wir verändern? Welche Regeln gelten in unserer Partnerschaft? Welche Themen vermeiden wir in unseren Gesprächen? Welche schönen Erlebnisse haben wir bisher gemeinsam erlebt? Welche wollen wir noch gemeinsam erleben?“ sein.

Außen/ Systemisch  
(oder: Wie kann das Paar diese Kultur leben?)

Die vierte und letzte Ebene beschäftigt sich mit den äußeren Rahmenbedingungen, Ressourcen und Strukturen einer Partnerschaft.  
Wenn sich ein Paar gemeinsam überlegt und die bewusste Entscheidung getroffen hat, wie es leben und handeln möchte, geht es in dem letzten Punkt um die Umsetzung dieser. 
Also hätte die Entscheidung nach einer gleichberechtigten Beziehung die Folge, dass sich das Paar zum Beispiel die Hausarbeit und Kinderbetreuung teilt. Oder der Wunsch nach einer gemeinsamen aktiven Zeit die Folge, sich ein gemeinsames Hobby zu suchen. Oder der Wunsch sich regelmäßig auszutauschen die Folge, einmal in der Woche Essen zu gehen und sich die Zeit zu nehmen, sich zu unterhalten. Es geht also hier um die Umsetzung von Ritualen. 

Die Zeit, in der wir uns im Moment befinden, ist ganz besonders und noch nie da gewesen. Alte und unbewusste Bewältigungsstrategien und Muster funktionieren eventuell nicht mehr. Dies haben viele Paare in der Pandemie und mit dem Lockdown erlebt. Durch Corona ist es notwendig geworden, aber vor allem gibt es auch die große Chance, seine Beziehung zu überprüfen und anzupassen. Für eine gleichberechtigte und glückliche Partnerschaft. 

Vielleicht fühlen Sie sich in manchen Bereichen angesprochen? Wenn Sie möchten, stellen Sie sich die folgenden Fragen zur Selbstreflexion und -entwicklung. 

In welchem Quadranten gibt es in Ihrer Beziehung vielleicht Nachhol- oder Verbesserungsbedarf? 

 


Hier finden Sie jeweils 3 Fragen zu jedem Bereich: 
 

Innen/ Individuell (oder: Wie der Blick auf sich selbst aussehen kann) 

  • Wie stelle ich mir die Beziehung zu einer anderen Person vor?
  • Welche Erwartungen habe ich an meine*n Partner*in?
  • Welche Glaubenssätze/ Einstellungen unterstützen mich dabei, mich und meine*n Partner*in zu lieben? 

Außen/ Individuell (oder: Was jede*r Einzelne tun kann) 

  • Wie habe ich meinem Gegenüber zuletzt gezeigt/ gesagt, dass ich dankbar für die Beziehung/ diesen Menschen in meinem Leben bin?
  • Wie konnte ich mich in Anliegen/ Sorgen/ Themen meines Gegenübers einfühlen und mich dementsprechend verhalten?
  • Wann konnte ich meinem Gegenüber zuletzt wirklich verzeihen ohne nachtragend zu sein? 

Innen/ Systemisch (oder: Wie ist die Beziehungskultur des Paares?) 

  • Wie möchten wir miteinander umgehen?
  • Mit welchem Geist soll unser Zusammenleben geprägt sein?
  • Welche Werte sind wichtig für uns und von welchen Werten wollen wir uns in unserer Beziehung leiten lassen? 

    Außen/ Systemisch (oder: Wie kann das Paar diese Kultur leben?)
  • In welchen Strukturen wollen wir leben?
  • Welche Rituale gibt es in unserer Beziehung?
  • Wie sind die Rahmenbedingungen unseres Zusammenlebens?

Nadja Verspohl

Nadja Verspohl

Beraterin, Fürstenberg Institut



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