Unangenehme Themen

Unangenehme Themen: ansprechen oder schweigen?

 

Sie können einem die Arbeit schwer machen: rücksichtslose, laute Kollegen, Sticheleien vom Chef, unzufriedene Kunden. Reibung gibt es überall da, wo Menschen zusammenkommen. Auch um Konflikte im Büro kommen wir nicht herum. Doch wir sind ihnen nicht ausgeliefert: wir können lernen, sie zu lösen. Und das sollten wir auch. Denn dicke Luft und schwelende Konflikte können nicht nur den Spaß an der Arbeit beeinträchtigen, sie machen auf Dauer auch krank.  

Heikle Gespräche mit dem Chef oder den Kollegen zu führen, ist nicht immer angenehm. Trotzdem sollten wir Konflikte zeitnah thematisieren. Schiebt man die Themen auf die lange Bank, wird es schwieriger einen Einstieg zu finden. Aus Scham oder Angst vor Konflikten zu schweigen, ist selten eine gute Lösung. 

Sicher kennen auch Sie Situationen, in denen Sie sich scheuen, ein unangenehmes Thema direkt anzusprechen. Dahinter steckt vielleicht die Angst:  

  • dem anderen zu nahe zu treten,
  • den anderen zu verletzen,
  • missverstanden zu werden oder
  • weil es Ihnen ganz einfach peinlich ist

Es gibt aber gute Gründe, warum Sie auch unangenehme Themen mutig angehen sollten: 

  • Es geht um Ihre Interessen, Ihr Wohlbefinden und Ihre Zufriedenheit.  
    Machen Sie sich hin und wieder bewusst, was es für Sie bedeutet, eine belastende Situation auf Dauer hinzunehmen.
  • Häufig ist dem anderen gar nicht bewusst, dass Sie ein Problem mit etwas haben. 
    Deshalb wird er von selbst und unaufgefordert auch nichts an seinem Verhalten oder Auftreten ändern. Warum sollte er auch, wenn aus seiner Sicht alles bestens ist? Das Problembewusstsein müssen Sie erst schaffen, indem Sie das Thema zur Sprache bringen.
  • Es besteht die Chance, dass Sie am Ende dem anderen mit Ihrer Offenheit einen großen Gefallen tun. 
    In vielen Fällen sind Sie nicht der oder die Einzige, dem/der ein Verhalten, bestimmte Eigenschaften oder auch einfach nur ein peinliches Malheur unangenehm auffallen. Andere merken das auch. Das schadet dem Ansehen des Betroffenen. Ihre Offenheit hilft ihm, in Zukunft ähnliche Konflikte zu vermeiden. Sie erspart ihm weitere Peinlichkeiten und schützt ihn vor ernsteren Konsequenzen.

Wie überwinde ich mich und spreche das Thema am besten an? 
Indem Sie nicht um den heißen Brei herumreden, sondern das Thema direkt und offen, aber nicht verletzend ansprechen. Worte statt vager Gesten. 

Vermeiden Sie es, ein Thema lange aufzuschieben. Das führt schlimmstenfalls dazu, dass sich negative Gefühle aufbauen und das Gespräch zu emotional ausfällt und möglicherweise eskaliert. Vereinbaren Sie für das Gespräch einen Termin und planen Sie genug Zeit ein. Informieren Sie Ihren Gesprächspartner, worüber Sie mit ihm sprechen wollen und überfallen sie den anderen nicht. 

Wenn Sie selbst bereits vor Wut kochen, ist es schwierig, ein höfliches und entspanntes Gespräch zu führen. Im Eifer des Gefechts fliegen dann oft die Fetzen. Das heißt natürlich nicht, dass Sie Themen, die schon lange in Ihnen gären, grundsätzlich nicht mehr ansprechen dürften. Bereiten Sie sich in diesem Fall aber besonders gründlich auf eine Auseinandersetzung vor. 

Wichtig ist, dass es Ihnen gelingt, locker und fair zu bleiben. Vielleicht gelingt es Ihnen, einen wertschätzenden Einstieg zu finden, in dem sie auf Gemeinsamkeiten oder gut gelungene gemeinsame Projekte hinweisen. 

Bleiben Sie dann bei dem Problemfeld, welches Sie klären wollen, und vermeiden Sie, generalisierend „reinen Tisch zu machen“ und dem anderen sein vermeintliches Fehlverhalten der letzten Jahre und Monate oder eine generelle Haltung vorzuhalten. Versuchen Sie sich zu mäßigen. Auch wenn der Gesprächspartner weitere Probleme anschneidet, bleiben Sie bei Ihrem Punkt und schlagen z.B. vor, über das andere Thema zu einem anderen Zeitpunkt zu reden.  
Überlegen Sie vorher, wer das Gespräch am besten führen kann. Im Zweifelsfall können Sie sich Unterstützung im Fürstenberg Institut holen oder eine Person Ihres Vertrauens mit einbeziehen, die auch das Gegenüber als Moderator akzeptieren kann.  

Zu guter Letzt ist es immer besser, ein heikles Gespräch in entspannter Atmosphäre und nicht zwischen Tür und Angel zu führen. Bleiben Sie mit Ihrem Fokus bei Ihren Bedürfnissen, dann fällt es Ihrem Gegenüber leichter, Ihren Wünschen und Hinweisen nachzukommen. 

Tipps für schwierige Gespräche 

  • Tipp 1: Nicht um jeden Preis siegen wollen 
    Wenn schwierige Gespräche eskalieren, liegt das oft daran, dass wir in den Kampf-Modus geschaltet haben. Dadurch wird die Konversation zu einem Nullsummenspiel, mit einem Gewinner und einem Verlierer. Aber die Wahrheit ist: Wenn Gespräche so verlaufen, dann sieht jeder schlecht aus und verliert - insbesondere im Büro. Der wahre Gegner ist nicht Ihr Gesprächspartner, sondern der Kampf-Modus an sich. Diese Haltung können Sie mit Strategie und Fertigkeit überwinden.
  • Tipp 2: Gefühle erkennen und auf die Sache konzentrieren 
    Angst, Wut, Verlegenheit, Verteidigungshaltung - Gespräche können alle möglichen negativen Gefühle in uns auslösen, die wir sonst nicht hätten. Einige von uns reagieren mit Aggressionen. Andere versuchen, die Dinge möglichst schnell unter den Teppich zu kehren. Manchmal kommt es auch zu einem Hin-und-Her zwischen beiden kontraproduktiven Polen. Suchen Sie stattdessen die Goldene Mitte: Formulieren Sie klar, was Sie wollen. Die negativen Gefühle werden nicht verfliegen. Aber mit etwas Übung werden Sie lernen, sich stattdessen auf das gewünschte Ergebnis zu konzentrieren.
  •  Tipp 3: Respekt zeigen 
    Hinterfragen Sie ehrlich Ihre Haltung zu Gesprächsbeginn: Sind Sie wirklich offen für eine Lösung auf Augenhöhe? Ohne gegenseitigen Respekt wird diese schwerlich zu finden sein. Stellen Sie sicher, dass Sie sich im Gespräch respektvoll verhalten. Das gilt für die Wortwahl ebenso wie für Körpersprache. Rollende Augen und lautes Seufzen ist in den meisten Konfliktgesprächen fehl am Platz. Bleiben Sie respektvoll, auch wenn Ihr Gegenüber sich offen feindselig verhält. Weisen Sie ihn darauf hin und setzen Sie Grenzen, aber bleiben Sie respektvoll.
  • Tipp 4: Fallen Sie nicht auf Tricks herein 
    Lügen, Drohungen, Mauern, Weinen, Sarkasmus, Schreien, Schweigen, Anklagen, sich beleidigt fühlen: Manche Gesprächspartner versuchen, mit allen Tricks zu arbeiten. Nur weil Sie versuchen, nicht in den Kampf-Modus zu verfallen, gilt das nicht unbedingt für Ihr Gegenüber. Machen Sie einen miesen Trick unschädlich, indem Sie ihn thematisieren. Wenn Ihr Gegenüber zum Beispiel nicht mehr antwortet, sagen Sie einfach: „Ich weiß nicht, wie ich Ihr Schweigen interpretieren soll."
  • Tipp 5: Unterstellen Sie Ihrem Gegenüber keine Absichten 
    Optimisten glauben, dass jede Meinungsverschiedenheit nur ein Missverständnis zwischen zwei wohlmeinenden Menschen ist; Pessimisten meinen, dass der Dissens die Folge unlauterer Angriffe ist. In der Hitze der Diskussion verlieren wir den Sinn dafür, dass wir die Intentionen anderer Menschen nicht kennen können - nur unsere eigenen. Behalten Sie im Kopf, dass Sie und Ihr Gesprächspartner beide mit dieser Vieldeutigkeit klarkommen müssen. Wenn Sie im Gespräch vor einer Sackgasse stehen, könnten Sie folgenden Satz ausprobieren: „Wenn wir so miteinander sprechen, merke ich, dass ich nicht völlig verstehe, wie Sie dieses Problem sehen.“ Zuzugeben, etwas nicht zu wissen, kann eine wirkungsvolle Strategie sein, um das Gespräch wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.
  • Tipp 6: Behalten Sie das Ziel im Auge 
    Der Schlüssel für jedes Konfliktgespräch ist, immer das Ziel im Auge zu behalten. Gehen Sie mit einem klar definierten, realistischen Ziel in das Gespräch; Sie sollten wissen, wie Ihre Arbeitsbeziehung zu Ihrem Gegenüber aussehen soll; ebenso sollten Sie sich Gedanken gemacht haben, welche Schwierigkeiten auftreten könnten. (Erinnern Sie sich: Gewinnen ist kein realistisches Ziel, weil Ihr Gegenüber sehr wahrscheinlich Verlieren als Gesprächsergebnis nicht akzeptieren kann).

Aus: www.harvardbusinessmanager.de/fotostrecke/fotostrecke-77496.html

 


Stefanie Schlüter

Stefanie Schlüter

Beraterin, Fürstenberg Institut



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