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Muss Papa immer arbeiten? Wie Vätern Vereinbarkeit gelingt

Väter wollen heute längst nicht mehr nur „Ernährer“ sein. Sie wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und sich partnerschaftlich an der Familienarbeit beteiligen. Dafür sind sie auch bereit, weniger zu arbeiten. Gut ein Viertel der Väter mit Kindern unter 18 Jahren würde gerne einige Wochenstunden reduzieren; tatsächlich umsetzen können dies aber nur fünf Prozent. Dies zeigen Zahlen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 

Zwar nehmen immer mehr Väter Elternzeit, allerdings gibt es einen Unterschied zu den Müttern. Während diese im Schnitt für 11,6 Monate zuhause bei dem Nachwuchs bleiben, nehmen Väter durchschnittlich nur 3,1 Monate Elternzeit. 

Und während 85 Prozent der Väter nach der Geburt des ersten Kindes und nach der Elternzeitphase das gleiche Arbeitszeitmodell anwenden wie vorher, arbeiten nur 22 Prozent der Mütter so wie zuvor. 

 

Vaterschaft und Familie neu gedacht

Neue Vaterrolle trifft auf veraltete  Unternehmensstrukturen
 

Experteninterview mit Volker Baisch, Geschäftsführer der Väter gGmbH, und Dr. Martin Bujard, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) 

Herr Baisch, wie sieht es mit Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Männer in der Praxis aus?  
Baisch: Die Partnermonate für Väter haben sich meist durchgesetzt. Allerdings möchten viele Väter gerne länger in Elternzeit gehen als nur zwei Monate. Ein geregeltes Vertretungsmanagement fehlt aber meist. Immer noch wird erwartet, dass vor allem Führungskräfte die Aufgaben im Team verteilen oder selber übernehmen. Und zweitens ist der Wunsch vieler Väter nach längerer Elternzeit angesichts des Gender-Pay-Gap oft nicht realisierbar.  

Herr Bujard, wir sprechen vom Wandel der Vaterrolle und stellen gleichzeitig erhebliche Schwierigkeiten fest, mehr väterliche Teilhabe zu erreichen. Warum?  
Baisch: Junge Väter sehen sich nicht mehr überwiegend als Ernährer, sondern als aktiver Vater, als emotional eng verbundene Bezugsperson. Diese neuen Einstellungen treffen allerdings auf alte Strukturen. Unsere Befragung von 20- bis 39-Jährigen hat gezeigt, dass 52 Prozent der Frauen und sogar 64 Prozent der Männer meinen, Väter sollten für ihre Kinder beruflich kürzertreten. Demgegenüber verläuft aber die Entscheidung über Karrierechancen angesichts alter Denkmodelle bei Männern recht früh im Lebenslauf. Auszeiten zu nehmen oder weniger Überstunden zu leisten, bedeutet nach diesem Muster Karriereeinbußen. Väter arbeiten nicht nur länger als ihre Partnerinnen, sondern auch länger als Männer ohne Kinder. Aus dieser Mehrarbeit resultieren höhere Karrierechancen und Einkommen bei Männern. Daher trifft der Begriff von der Rushhour des Lebens – also der Belastung durch Familien- und Erwerbsarbeit – auch auf Väter zu. 

Wie blicken junge Väter auf das Thema Vereinbarkeit und was bedeutet das für Unternehmen?  
Baisch: Väter zwischen 35 und 40 Jahren unterscheiden sich deutlich von der Generation der Babyboomer. Sie möchten mehr Zeit für die Familie haben. Wichtig sind ihnen dabei Zeitsouveränität und weniger Kontrolle durch ihre Vorgesetzten. Außerdem kommen Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Sabbaticals und Ähnliches sehr gut bei ihnen an. Sie wollen in Elternzeit gehen, mehr Hausarbeit übernehmen und ihre Partnerinnen darin unterstützen, beruflich voranzukommen. Dazu gehört auch eine faire Bezahlung beider Eltern. Untersuchungen zeigen: Wenn Partnerinnen genauso viel verdienen wie ihre Partner, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Väter länger in Elternzeit gehen.  

Aus dem Leitfaden „Väter und Vereinbarkeit“, BMFSFJ 
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/vaeter-und-vereinbarkeit/121316 
 

Volker Baisch

Volker Baisch, Väter gGmbH

 

PD Dr. Martin Bujard

PD Dr. Martin Bujard, Forschungsdirektor BiB

 


vaeter corona

Informationen zu Väter in der Corona-Krise | Familie gelingt gemeinsam! von Väter gGmbH


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