Schlafen ist gesund

Guter Schlaf macht glücklich, gesund und schlau

Warum die Ruhephase so wichtig für uns ist

„Ich beneide Menschen, die mit drei oder vier Stunden Schlaf in der Nacht prächtig zurechtkommen. Sie haben so viel mehr Zeit zu arbeiten, zu lernen und zu spielen.“

Bill Gates (*1955), amerik. Software-Unternehmer

 

Die meisten Menschen haben ein Schlafbedürfnis, das über den o. g. drei bis vier Stunden liegt. Der individuelle Bedarf ist genetisch festgelegt und zudem von Lebensalter, Geschlecht und Jahreszeit abhängig. Als normal gilt eine Schlafdauer zwischen fünf und neun Stunden. Die Dauer allein sagt jedoch wenig über die Qualität des Schlafes aus; es kommt auf die Verteilung der einzelnen Schlafphasen sowie auf die Erreichung einer ausreichenden Menge an Tiefschlaf an. Ein Kurzschläfer, der sich fit und ausgeschlafen fühlt, verbringt genauso viel Zeit im Tiefschlaf, wie einer, der acht Stunden schläft. Mehr als neun Stunden zu schlafen, bringt hingegen keinen Mehrwert (außer der Gemütlichkeit). „Vorschlafen“ oder den Schlaf „aufschieben“ kann man im Übrigen leider nicht, da der Körper innerhalb von 24 Stunden eine gewisse Portion Schlaf einfordert – ob wir das wollen oder nicht.

Aber auch wenn wir seit der Ausbreitung künstlicher Lichtquellen die Nacht zum Tag machen können und der Erfinder der Glühbirne einst spekulierte, es gäbe nunmehr keinen Grund mehr, dass der Mensch überhaupt noch schlafen müsse, kommen wir um diese grundlegende Notwendigkeit nicht herum.

Und das mit gutem Grund:

Im Schlaf ist der Körper hochaktiv. Die körperlichen und mentalen Systeme, die während des Schlafes arbeiten, werden punktgenau und höchst effektiv für lebenswichtige Prozesse genutzt, die während des Wachzustands nicht gleichzeitig ablaufen könnten.

 

Was passiert im Schlaf

 

Man kann sich tatsächlich „gesund schlafen“

Die äußerlich eher passive Zeit im Schlafzustand schafft optimale Bedingungen, die elementar wichtigen Zellerneuerungsprozesse durchzuführen, den Stoffwechsel zu regulieren und das Immunsystem zu aktivieren. Im Schlaf erhöht sich nämlich die Zahl der natürlichen Abwehrzellen, was für die Bekämpfung von Bakterien und Viren von großer Bedeutung ist. Schon bei einer kleinen Erkältung steigt deshalb das Schlafbedürfnis deutlich an – man kann sich tatsächlich „gesund schlafen“.

Weitere Beispiele sind die Produktion von Hormonen – und damit auch das Wachstum, Kinder sind manchmal wirklich über Nacht ein Stück gewachsen! – und die Entgiftung: Die Leber hat nachts andere Aufgaben als am Tage.

Aktuelle Studien der Schlafforschung belegen außerdem, dass das Gehirn den Schlaf nutzt, um Eindrücke, Erlebnisse und Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis zu übertragen und dort mit bereits vorhandenen Inhalten verknüpft. Es werden die gleichen neuronalen Netzwerke für die Aufnahme wie für die Speicherung von Reizen verwendet. Wir lernen also besonders im Schlaf, da das Gehirn nicht gleichzeitig aktuelle Sinneseindrücke aufnehmen muss.

Die Funktionen des Schlafes sind hochkomplex und noch längst nicht in Gänze erforscht. Gesichert ist allerdings die Erkenntnis, dass langanhaltender Schlafmangel massive und vielfältige Auswirkungen haben kann. Schon nach wenigen Tagen Schlafreduktion tritt beispielsweise eine Herabsetzung der Leistungsfähigkeit ein. So wirkt Schlafentzug wie Alkohol und kann zu Unfällen führen. Betroffene registrieren das oftmals nicht klar. Tagesmüdigkeit, der gefährliche Sekundenschlaf sowie vielfältige Befindlichkeitsstörungen am Tage sind oft übersehene Warnsignale von Schlafentzug.

Man sollte Anzeichen von Müdigkeit ernst nehmen und sie nicht, etwa mit Aufputschmitteln wie Kaffee oder Cola, einfach übergehen. Eine abnehmende Konzentrationsfähigkeit, aber auch Veränderungen der Stimmung wie Reizbarkeit oder Unzufriedenheit, die mit kurzen Erfrischungspausen nicht zu lindern sind, zeigen an, dass es Zeit wäre, ins Bett zu gehen.

Vielleicht achten Sie auch auf Ihre Träume – denn anders als früher vermutet, sind beim Träumen sehr viele Teile des Gehirns in Aktion. Es werden Erfahrungen nochmals durchlebt, um sie zu verarbeiten. Der für logisches Denken und Vernunft verantwortliche Teil des Gehirns schlummert, während im Gegensatz dazu das limbische System, das Emotionen verarbeitet, sehr aktiv ist und eine Verbindung zwischen Erfahrung und Emotion herstellt. Erst diese Zusammenführung gibt uns die Grundlage zur konstruktiven Bewältigung von Problemen und hilft beim Finden kreativer Lösungen.

Das heißt also, dass wir auch im Schlaf viel arbeiten und eine Menge lernen.


Karin Schneidewind

Karin Schneidewind

Beraterin, Fürstenberg Institut


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