Gesunde Führung

Was kann ich als Führungskraft ganz konkret tun, um gesund zu führen?

 

Ein gesundheitsorientierter Führungsstil kann an folgenden Faktoren festgemacht werden, die alle vielfach wissenschaftlich belegt sind:  


1. Vermittlung von Sicherheit 
Je klarer und transparenter Sie führen, je berechenbarer und nachvollziehbarer Ihr Führungshandeln von Ihren Mitarbeiter*innen erlebt wird, z. B. indem Sie das einhalten, was Sie ankündigen, je offener und regelmäßiger Sie kommunizieren und Ihre Mitarbeiter*innen mit einbinden bzw. „mitnehmen“ – umso sicherer werden diese sich fühlen. Auch eine gute und gesunde Fehlerkultur wirkt sich auf das Wohlbefinden von Menschen aus. Steht die Führungskraft hinter den Beschäftigten, wenn etwas falsch gemacht wurde und arbeiten sie sogar gemeinsam daran, wird damit Spannung gelöst, die der Beschäftigte aufgrund des Fehlers sowieso schon hat. Muss jemand hingegen Angst haben, Fehler zu machen oder diese zuzugeben, wird damit Stress ausgelöst.  

2. Wertschätzung zeigen 
Mitarbeiter*innen brauchen nicht jeden Tag ein riesiges Lob, sondern wollen oft einfach nur gesehen werden in dem, was sie tun. Wenn sich die Führungskraft zum Beispiel genau für die Arbeit des Einzelnen interessiert zeigt oder den Beschäftigten in seinen menschlichen Bedürfnissen und Themen wahrnimmt und darauf reagiert, wird dies oft als sehr wertschätzend wahrgenommen. Und häufig geht es um so einfache Dinge wie von der Führungskraft gemocht und unterstützt zu werden, auch mal zusammen locker zu sein, zu lachen, sich aufmerksam um die Belange der Mitarbeiter*innen zu kümmern und auch die Work-Life-Balance im Blick zu haben. Zudem ist es gesundheitsfördernd, wenn Sie als Chef*in bewusst wertschätzend kommunizieren, oft sagen, was Sie gut finden und Ihren Mitarbeiter*nnen regelmäßig „auf die Schulter klopfen“. Das stärkt maßgeblich das gute Befinden und damit die Motivation und Power. 

3. Adäquate Belastung herausfinden 
Nicht immer ist es einfach, mit der anfallenden Arbeit die Mit-arbeiter*innen angemessen auszulasten, ohne sie dabei zu unter- oder überfordern. Mit den Beschäftigten regelmäßig im Austausch über das Arbeitspensum, über Prioritäten und die Steuerung der Aufgaben zu sein, ist ein wesentlicher Teil gesunder Führung. Dazu gehört aber auch, sie in die Verantwortung zu nehmen, dass sie sich melden, wenn die Aufgabenmenge zu hoch oder zu niedrig ist. Zudem sind Mitarbeiter*innen unterschiedlich: Manche brauchen regelmäßig Herausforderungen, um in ihrer Kraft zu bleiben, andere liefern dann am besten ab, wenn sie einen klar überschaubaren Aufgabenbereich haben.  

4. Sog statt Druck erzeugen 
Druck löst bei den Menschen Stress und oft auch Gegendruck aus. Viel besser ist es, wenn Mitarbeiter*innen von sich aus engagiert ihrer Arbeit nachgehen, also intrinsisch motiviert sind. Dazu ist es als Führungskraft wichtig, herauszufinden, was das jeweilige Teammitglied antreibt, wem was Freude macht, wodurch die „Augen leuchten“ und der Mensch einen persönlichen Mehrwert hat. Auch gemeinsam Ziele abzustimmen, den Weg der Zielerreichung zu begleiten und Erfolge anzuerkennen und zu feiern, tragen dazu bei.  
5. Die passenden Handlungsspielräume schaffen 
Die wenigsten Mitarbeiter*innen bringen gute Ergebnisse, wenn überwiegend Vorgaben „abgearbeitet“ werden. Der Mensch strebt grundsätzlich nach Entwicklung und Potenzialentfaltung – auch wenn dabei der eine mehr und der andere weniger Rahmen und Orientierung benötigt. Die Handlungsspielräume von Beschäftigten zu fördern und gezielt zu erweitern ist ein wichtiger Teil gesunder Führung. Mitarbeiter*innen fühlen sich gut, wenn sie selbständig etwas gestaltet und geschafft haben, wenn sie ihre Ideen und ihre Kreativität einbringen dürfen und wenn sie „auf ihre eigene Art“ ihre Aufgaben erledigen dürfen – und dabei noch von ihrer Führungskraft unterstützt werden.  

6. Ein soziales Klima schaffen 
Befragungen zeigen, dass für viele Beschäftigte die Hauptmotivation zur Arbeit zu kommen, das gute Verhältnis zu ihren Kolleg*innen und Vorgesetzten ist. Führungskräfte beeinflussen durch ihre Art und ihr Handeln die Atmosphäre in ihrer Abteilung maßgeblich und haben damit eine eher entlastende oder belastende Wirkung auf das Befinden jedes Teammitglieds. So spielt es z. B. eine Rolle, ob die Führungskraft als verlässlich, ehrlich, fair und berechenbar erlebt wird. Ob sie sich um Konflikt- und Problemlösungen kümmert und das Vertrauen der Beschäftigten untereinander fördert. Und, ob die Mitarbeiter*innen sich als Mensch gesehen und unterstützt fühlen und sich auch in schwierigen Situationen an die Führungskraft wenden können.

 


Steffen Burger

Steffen Burger

Berater, Fürstenberg Institut



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